Leichtigkeit in der Bewegung 
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Ease of motion

 

Fast alle an der Musikhochschule wollten einen Platz beim Alexandertechniklehrer. „Du wirst besser singen, dein Instrument besser spielen können und nebenbei werden deine Rückenschmerzen verschwinden, “ hiess es. Ich hatte keine Chance auf einen Platz und so begann ich erst ein paar Monate später bei einer neu ausgebildeten Alexanderlehrerin Stunden zu nehmen.

Nicht nur mein Singen, Klavierspielen und Dirigieren wurde im Laufe der Zeit einfacher, leichter und ausdrucksvoller, auch viele andere Beschäftigungen wurden für mich lustbetonter. Velofahren begann eindeutig Spass zu machen und die geliebten Bergtouren, die ich wegen Knie- und Rückenschmerzen weitgehend aufgegeben hatte, konnte ich wieder in mein Freizeitprogramm aufnehmen! Ich wurde fitter für meinen Alltag. Bewegen ist seither keine mühsame Angelegenheit mehr, sondern macht Spass und weckt Lust auf mehr. Es kam mir entgegen, dass ich Alexanders Entdeckungen und Ideen gleich im Alltag (und während des Übens von Instrument und Stimme) ausprobieren und anwenden konnte. Die erforderliche mentale Disziplin konnte ich anfangs nur ansatzweise aufbringen. Jeder Augenblick bot jedoch eine nächste Gelegenheit, auf neue und konstruktive Art und Weise mit mir umzugehen und die Fähigkeit wachsen zu lassen.

Die positiven Auswirkungen begannen sich in meinem Leben auf allen Ebenen zu zeigen. Die Auseinandersetzung mit der Frage, wie wir Menschen gemacht sind und funktionieren, wie Geist und Körper einander bedingen und miteinander verwoben sind, deckte erstaunliche Fehlannahmen meinerseits auf. Bis jetzt, so schien es, hatte ich mich mit irrigen Vorstellungen durchs Leben bewegt, von denen ich grösstenteils nicht einmal wusste, dass ich sie hatte. Kein Wunder also, dass meine Resultate, zum Beispiel als Sängerin, bis dahin höchstens mittelmässig waren, und meine aufwendige, steife Art mich zu bewegen zu Störungen in meinem Bewegungsapparat geführt hatte.

Neben meiner Tätigkeit als Sängerin, Gesangspädagogin und Chorleiterin nahm ich 1991 die Gelegenheit wahr, in Zürich bei Don Weed die Ausbildung zur ITM-Alexanderlehrerin zu machen. Die Vertiefung in die Anatomie des menschlichen Bewegungsapparates, in Einsichten aus der neueren Forschung zum menschlichen Verhalten zusammen mit Texten aus den Büchern von F.M. Alexander vermittelte mir ein neues Menschenbild und befähigte mich zusehends, selbständiger zu denken und mich autonomer zu bewegen. Ich hatte meinen Denk- und Bewegungsgewohnheiten etwas entgegenzusetzen und konnte mehr und mehr eigene Entscheidungen treffen!

Seit 1997 gebe ich das Gelernte, das mir selber hilft, mich weiterzuentwickeln, gerne weiter, bevorzugt in Gruppenkursen.